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Räuspern: Was steckt dahinter?

Wer erkältet ist und Schleim im Hals hat, muss sich häufig räuspern. Doch auch andere Ursachen können dazu führen
von Ulrich Kraft, aktualisiert am 09.11.2017

Frosch im Hals? Räuspern kann viele Ursachen haben

Fotolia/visivasnc, ddp Images

Wenn Menschen den Drang verspüren, sich zu räuspern, wird er gerne dafür verantwortlich gemacht, der berühmt-berüchtigte "Frosch im Hals". Eigentlich zu Unrecht. Denn die Redewendung geht auf die sogenannte Ranula zurück, eine Zyste, die in der Regel entsteht, weil der Ausführgang der Unterzungenspeicheldrüse verschlossen ist. Diese Froschgeschwulst – Ranula bedeutet im Lateinischen Fröschlein – befindet sich jedoch nicht im Hals, sondern viel weiter vorne am Boden des Mundraums.

Was aber stimmt ist, dass Räuspern oft von dem Eindruck herrührt, irgendetwas im Hals zu haben, das da nicht hingehört und deshalb nach draußen befördert werden muss. "Räuspern schafft einen starken Luftstrom, mit dem man versucht, einen Fremdkörper – oder auch einen vermeintlichen Fremdkörper – von dort weg zu transportieren", sagt André Zakarneh vom Sankt Gertrauden Krankenhaus in Berlin. Der Oberarzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde spricht von einem physiologischen Reflex, vergleichbar mit dem Husten, "nur eben nicht auf Höhe der Lunge, sondern weiter oben im Schlund oder im Kehlkopfbereich."

Reizungen durch herabtropfenden Schleim

Sich ab und an räuspern zu müssen, ist deshalb vollkommen normal. Besteht der Drang allerdings sehr oft oder sogar ständig und das mehrere Wochen lang, sollte nach dem Auslöser gefahndet werden. "Dahinter stecken häufig chronische Reizungen beziehungsweise Entzündungen der Schleimhaut", erläutert André Zakarneh. "Diese Reizzustände können verschiedenste Ursachen haben."

Eine davon ist das Postnasal-Drip-Syndrom (PND), das sich aus einem ganz banalen Schnupfen entwickeln kann. Der Infekt greift dabei auf die Nasennebenhöhlen und die Stirnhöhlen über, mit der Folge, dass dort verstärkt Schleim gebildet wird. Insbesondere nachts, wenn die Betroffenen sich in die Horizontale begeben, entleert sich der Inhalt der Nebenhöhlen nach hinten. Das Sekret tropft in den Schlundrachen (Hypopharynx), wo es dann die Schleimhaut reizt. Reizhusten und Räuspern sind die typischen Symptome des Postnasal-Drip-Syndroms.

Häufiger Auslöser: Refluxkrankheit

Der viel zitierte "Frosch" kann aber nicht nur von oben in den Hals hinab gelangen, sondern auch von unten nach oben klettern. Das dazugehörige Krankheitsbild heißt gastroösophagealer Reflux. Dabei fließt saurer Mageninhalt in die Speiseröhre zurück und weiter in den Schlund und den Kehlkopfeingangsbereich. Dies geschieht wiederum vor allem nachts, wenn die Betroffenen liegen. Das charakteristische Symptom der Refluxkrankheit, unter der jeder fünfte Mensch in Deutschland leidet, ist Sodbrennen.

Doch das muss keineswegs immer auftreten, berichtet André Zakarneh. "Es gibt einen stillen Reflux, der sich vor allem durch Heiserkeit und Räusperzwang äußert." Die Beschwerden entstehen, weil der aggressive Magensaft im Schlund die Schleimhäute angreift. "Bei Patienten mit chronischem Räuspern sollte auf jeden Fall geprüft werden, ob sich dahinter eine Refluxkrankheit verbirgt", sagt der Berliner HNO-Arzt.

Vorsicht Teufelskreis!

Das Problem kann aber auch eine wesentlich banalere Erklärung haben, nämlich sehr viel und sehr laut zu reden. Dies führt zu einer mechanischen Belastung des Kehlkopfes, die dann Schleimhautreizungen der Stimmbänder und ihrer Umgebung nach sich zieht. "Übermäßiges Strapazieren der Stimme kann so ein Fremdkörpergefühl und damit den Drang zum Räuspern auslösen", erklärt Zakarneh. "Allerdings lässt sich das relativ einfach erkennen, weil es eigentlich immer mit Heiserkeit einhergeht."

Eine raue Stimme verführt wohl fast jeden Menschen dazu, sich zu räuspern. Besser wäre allerdings, dem Drang zu widerstehen – weil er in einen Teufelskreis münden kann. "Wenn man sich ständig räuspert, wird man auch heiser, weil der Kehlkopf dabei belastet wird", sagt André Zakarneh. Den beim Räuspern entstehenden Luftstrom, der über die empfindliche Schleimhaut des Kehlkopfs geleitet wird, vergleicht der Hals-Nasen-Ohren-Arzt mit einem "Hurricane, der über einen Wald hinweg fegt."

Wichtig: Die Suche nach den Ursachen

Um den Kreislauf aus Räuspern, Reizung, mehr Räuspern zu unterbrechen oder gar nicht erst in Gang kommen zu lassen, ist es wichtig, den "Frosch im Hals" schnellstmöglich wieder los zu werden. Dabei helfen Wirkstoffe, die die Schleimhäute beruhigen, wie Salbei oder Panthenol. Diese gibt es sowohl als Rachenspülung, Lutschtabletten, als auch zum Inhalieren. Um die Schleimhäute feucht zu halten, sollten Betroffene genügend trinken. Außerdem empfiehlt es sich, die Stimme zu schonen und auf das Rauchen zu verzichten.

Das A und O der Behandlung besteht aber darin, die Ursachen herauszufinden und zu beseitigen. Von den zahlreichen Menschen, die über standiges Räuspern klagen – einem, so André Zakarneh, "extrem häufigen Phänomen" – , geht das Gros zum Hausarzt. Der fragt zuerst nach den Beschwerden und der Krankengeschichte seines Patienten. Da der Räusperzwang meist Symptom einer anderweitigen Erkrankung ist, liefert diese Anamnese oft schon den entscheidenden Hinweis auf die Hintergründe. "Hält der Drang, sich zu räuspern länger als vier bis maximal sechs Wochen, ohne dass die Ursache dingfest gemacht werden kann, sollte man auf jeden Fall einen HNO-Arzt aufsuchen", rät Zakarneh. "Er hat das Instrumentarium, um den fraglichen Bereich anzusehen."

Gute Aussichten auf Heilung

Mit einem speziellen Endoskop kann der HNO-Arzt Schlund und Kehlkopf genau betrachten und beurteilen. Ist die Schleimhaut nicht rosa, sondern weißlich oder stark gerötet, deutet das auf einen Reflux von Magensaft hin. Auch Zysten, ein weiterer möglicher Auslöser, lassen sich bei dieser Untersuchung entdecken, ebenso wie bösartige Tumoren. "Dass ständiges Räuspern Ausdruck eines Schlund- oder eines Kehlkopftumors ist, kommt zwar vor, ist aber selten", beruhigt André Zakarneh sofort.

Auch wenn sich der "Frosch im Hals" mitunter als hartnäckig erweist, ist er in der Regel gut behandelbar. Die Therapie richtet sich dabei nach der Ursache. Handelt es sich um ein Postnasal-Drip-Syndrom infolge einer Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis), können Antibiotika notwendig sein. Steckt eine Refluxkrankheit dahinter, verschreibt der Arzt Medikamente, die die Produktion von saurem Magensaft unterbinden. "Bis das Räuspern unter der Therapie dieser Protonenpumpenhemmer vollständig abklingt, kann es allerdings zwei, drei Monate dauern", sagt Experte Zakarneh. "Die gereizte Schleimhaut braucht einfach Zeit, um sich wieder zu erholen." Andernfalls sollte ein Facharzt für Magen-Darm-Erkrankungen, ein Gastroenterologe, hinzugezogen werden.

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Bildnachweis: Fotolia/visivasnc, ddp Images, Strandperle/Westend61

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